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"Am Ende unseres Lebens wird Gott an uns nur eine einzige Frage zu richten haben, dessen ist sich Jesus sicher. Er wird nicht danach fragen, wie weit wir’s gebracht haben im Leben.

Das einzige, was Gott interessiert, ist zu wissen, wieviel Not anderer wir zu sehen und aufzugreifen fähig waren, wie oft wir’s fertigbekommen haben, die Nacktheit der anderen nicht vorzuführen in einer Witzparade,
sondern gnädig zu umhüllen und dem anderen seine Würde zurückzugeben, wieweit wir’s vermocht haben, in einem versteinerten Herzen Tränen freizusetzen und durch Verständnis und Güte zu trocknen, wie weit wir imstande waren, die Armut eines Menschen durch Entgegenkommen und Liebe reich zu machen und ihm zu zeigen, wieviel Wert und Größe in ihm selber liegt."

(Dr. Eugen Drewermann aus Zwischen Staub und Sternen. Predigten im Jahreskreis, Seite 43f. Patmos Verlag, 1991)

Lebenskrisen

Zahllos sind die Lebewesen,
ich gelobe sie vom Leiden zu befreien. 

Grenzenlos sind die Verhaftungen,
ich gelobe sie zu beenden. 

Unzählbar sind die Tore des Erwachens,

Ich gelobe sie zu durchschreiten. 

Unübertroffen ist der Weg des Erwachens,
ich gelobe ihn zu gehen. 

(Die 4 grossen Gelöbnisse des Zen)

Heute kann ich rückblickend sagen — und das mit großer Überzeugung:

Jede Krise im menschlichen Leben birgt die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung.

Sie kann den Zugang zu eigenen Fähigkeiten eröffnen, von denen wir oft noch nichts wussten.
Sie lässt uns eine Ahnung gewinnen vom Numinosen — im Außen wie im Innen.
Sie weitet unseren Blick auf die Welt und auf den eigenen Lebensweg.

Jede Krise kann ein Wendepunkt sein.

 

C. G. Jung, der grosse schweizer Tiefenpsychologe über Seele und Heilung:
 

  • Viele psychische Störungen, besonders in der Lebensmitte, wurzeln laut Jung in einem Mangel an innerer, seelischer Orientierung / Verwurzelung.

  • Der moderne Mensch leidet, weil ihm das fehlt, was früher eine lebendige Religion den Menschen gab: Sinn, Tiefe, Verbindung zum "Göttlichen", was immer das auch für jeden sein mag.
    Warum laufen heute viele Menschen von den Kirchen weg? Weil es dort auch einfach nur um dogmatischen "Glauben", aber nicht um eigene, lebendige Erfahrung geht. Weil die Lehren vertrocknet sind, zu theoretischen Konstrukten. 

  • Jung betont: Keine echte Heilung geschieht, ohne dass der Mensch zu einer inneren geistigen Haltung findet – nicht im dogmatischen, sondern im existenziellen, erfahrbaren Sinne.

  • Er nennt das Selbst das Zentrum der Psyche – das in der Tiefe eine wesenhafte, erfahrbare Dimension hat.

  • Wird dieser eigene,  innere "Wesenskern" verdrängt oder ignoriert, „vertrocknet die Seele“.

  • Wenn es zur Sinnlosigkeit kommt - kann es zur Krise kommen - vor allem im mittleren Alter

 



Und auch Goethe wusste schon:

„Wär’ nicht das Auge sonnenhaft,
Wie könnten wir das Licht erblicken?“

„Wär’ nicht in uns Gottes Kraft,
Wie könnt’ uns Göttliches entzücken?“



 

Kernsatz von Jung:

„Die seelischen Krisen meiner Patienten in der Lebensmitte hatten fast immer damit zu tun, dass ihnen ein innerer Zugang zu Sinn, Tiefe und geistiger Orientierung fehlte.“


Jede Krise kann ein Moment sein, in dem wir den existenziellen Fragen des Lebens nicht mehr ausweichen.
Gerade darin liegt eine große Chance der Wandlung.

Es kann der Beginn einer "Heldenreise" sein — wie Joseph Campbell sie beschrieben hat —
ein innerer Weg, den viele große Meister, Heilige und Mystiker gegangen sind.

Und auch diese Meister waren zuvor "normale" Menschen:
sie litten unter den Bedingungen der Welt, durchlebten tiefgreifende Krisen,
und erst daraus erwuchs der Mut, die großen Fragen zu stellen:

  • über Leben und Tod

  • über Mensch und das Göttliche

  • über Vergänglichkeit und Ewigkeit

  • über Anhaftung und Freiheit

  • über das Irdische und die Transzendenz
     

Erst als sie ihre Krisen annahmen —
erst als sie Ängsten und Schmerzen nicht mehr auswichen, sondern bewusst in den Prozess einstimmten —
konnte sich Wandlung vollziehen.

Und auch hier war Goethe ein grosser Geist: 


"Und wer dies nicht hat - dies "Stirb und Werde" 
der ist doch nur ein trüber Gast auf dieser Erde"

Und so begann für sie ein ganz eigener innerer Weg,
den letztlich jeder Mensch nur selbst, in eigener Verantwortung und freier Entscheidung, gehen kann.

 

Dabei können sich mit der Zeit Erfahrungen öffnen,
die Einblick geben in Ebenen, die dem Alltagsbewusstsein sonst meist verborgen bleiben:

das Unbegreifliche, das Nicht-Fassbare —
jenes, was jeder nur selbst erfahren, nicht aber vollständig in Worte fassen kann.

 

Mein verehrter Lehrer im Geiste, Karlfried Graf Dürckheim, sprach sinngemäß von:

„Dem Weg der Wandlung — hin zum ureigensten Kern des Menschseins.“

Auf einem solchen Weg können sich numinose Erfahrungen zeigen,
oft überraschend, nicht planbar und nicht erzwingbar.

 

Ich möchte Mut machen, sich dem eigenen inneren Weg zu öffnen.
Bereit zu sein für das, was unser Menschsein jenseits des Alltags noch in sich trägt.

Welche Form der Praxis man dafür wählt, ist zweitrangig.
Jede ernsthafte und regelmäßig gelebte Übung im Sinne des eigenen Weges kann sehr wirksam sein.

Kein Weg ist besser oder schlechter als ein anderer.
Das wussten die Mystiker aller Zeiten — ihre Sprache klingt bis heute durch die Jahrhunderte.

„Es ist die Tragik vieler Menschen,
dass ihnen ihr eigenes Wesen unbekannt bleibt,
weil Ratio und Intellekt ihnen den Zugang zur inneren Stille und Tiefe verschließen.“

Eine solche innere Entfremdung führt oft zu einem Gefühl von Getrenntsein:

  • von sich selbst

  • vom tieferen Sinn

  • von einem ursprünglicheren Erleben
     

Doch es ist möglich, diesen Weg zur eigenen Tiefe wieder aufzunehmen —
zu jener Quelle, die in das Überweltliche hineinragt,
zu jener inneren Stille, die wieder beheimaten kann.

Meditation kann dabei eine Praxis sein, die diesen Zugang öffnet.
Sie bietet Raum für stille, vertiefende Erfahrungen —
die sich auf dem Weg der Übung individuell entfalten können.

Nicht vorhersehbar, nicht steuerbar —
sondern als Geschenk an jenen, der bereit ist, sich einzulassen.

Wenn wir unser „Welt-Ich“ für einen Moment loslassen —
wenn wir in der Übung offen werden —
dann kann sich unsere tiefere Natur zeigen.

Zusammenfassung von Gedanken Karlfried Graf Dürckheims und C.G.Jungs
(inspiriert u. a. durch: „Der Alltag als Übung“, „Hara“, „Vom doppelten Ursprung des Menschen“)

Hinweis:
Meine Angebote verstehen sich als Wegbegleitung und Persönlichkeitsentwicklung.
Sie ersetzen keine ärztliche, psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung.

Das Wesen der Übung 

In Japan sagt man:

Damit etwas im ursprünglich gemeinten Sinne „religiös“ werden kann, braucht es nur zwei Dinge.
Es muss einfach und ewig wiederholbar sein.

 

Was ist damit gemeint?
 

Wenn wir etwas tun, das einfach ist und ewig wiederholbar, hat das zur Folge, dass wir den bewertenden, unterscheidenden Alltagsgeist langsam, aber sicher einschläfern – während wir in unserer Wahrnehmung wacher und klarer werden.
Vielleicht sogar wacher als sonst, wenn wir im Alltag in tausenden Gedanken, Vorstellungen, Annahmen und Überlegungen verstrickt sind.

 

Das wussten die Meister aller Zeiten – und zwar in ganz unterschiedlichen Kulturen und deren geistigen Übungswegen gleichermaßen.
 

Ebenso kann uns in diesem entleerten Geisteszustand etwas „vom ganz Anderen“ berühren – wenn wir wahrhaft gelassen sind und dennoch in fester Form, in der richtigen Spannung.
Diese Form, diese lebendige Spannung in der leeren Gelassenheit, ist nur durch regelmäßige Übung zu erreichen.

Es gibt verschiedene Phasen, verschiedene Phänomene, denen der Übende begegnet. Und es braucht eine Haltung, die nach Wahrheit strebt.

Eine begonnene Übung, die nur darauf abzielt, „schöne Momente“ zu erleben, oder zu erzwingen, wird nicht von Dauer sein.
Auch die innere Haltung – "Was will ich eigentlich von dieser Übung?" – muss tiefer reichen.

 

Ramakrishna, ein indischer Heiliger, sagte sinngemäß:

„Bitte nicht um dies und das – nur damit es dir in dieser oder jener Lebenssituation angenehmer wird.
Bitte nach der Erkenntnis des Ursprungs aller Dinge.
Lass einzig diese Frage deinen Durst nach Wahrheit nähren.
Bitte nicht um weltliche Dinge – bitte einzig um Erkenntnis. Erkenntnis deiner selbst, der Essenz der Dinge und des Universums.“

 

So ein Üben wird Früchte tragen.
So ein Üben wird dich über das „Gut und Böse“ dieser Welt hinausführen.

Irre, wie sehr sich die Worte der verschiedenen Meister zu verschiedenen Zeiten ähneln.
Denn auch Karlfried Graf Dürckheim sagte:


„Wenn dir das Numinose begegnet, wirst du eine Freude kennenlernen und einen Sinn, der über Sinn und Unsinn dieser Welt hinausgeht.“

 

Auch Dōgen, ein großer Zen-Meister, schreibt in einem Gedicht:
 

„...dann wirst du weit über Verblendung und Erleuchtung hinausgehen
und abseits der Pfade des Gewöhnlichen und Heiligen,
wirst du dich augenblicklich frei bewegen können...“

 

Es geht also um eine uns rational (noch) unsichtbare Wirklichkeit und Freiheit – und um einen Sinn, der über Sinn und Unsinn dieser Welt hinausgeht.

Wow! 

 

Einer täglichen Übung nachzugehen, die die Bedingungen und den Nährboden für solche Erfahrungen bereitet (im christlichen Sinn: den Acker bestellt),
dazu bedienten sich die Meister verschiedener Techniken und Werkzeuge.
Doch sie alle sollen im Grunde nur eines bewirken:

Das „Welt-Ich“ einschläfern, loslassen – damit in der Leere des Geistes das hervortreten kann, was wir im eigentlichen Wesen sind.

Was kein Wort oder Aussagen im Sinne einer vollendeten Grammatik beschreiben kann. 

Man kann es nur – jeder nur für sich selbst – erfahren.

Dafür ist die tägliche Übung in meinen Augen unersetzlich.

Karlfried Graf Dürckheim, von dem ich viel über das Wesen der Übung gelernt habe, sagte:
 

„Es ist wie eine Perle, die auf den Faden aufgefädelt wird.
10-mal etwas gemacht – 10 Perlen.
10-mal nichts mehr gemacht – leerer Faden.
Wir haben keinen Besitzanspruch."


Wir können uns nur durch die tägliche Übung "abschleifen"

 

„Von selbst fallen Körper und Geist ab,
und das ursprüngliche Antlitz erscheint.
Wenn du dies zu erlangen wünschst, so übe eilends Zazen.“


— Dōgen Zenji - 

 

Nur durch tägliches Üben kann so etwas wie ein Rhythmus entstehen –
ein Rhythmus, der wie ein Blasebalg ins (spirituelle) Feuer pustet.
Hört man nach einmal Blasen wieder auf, werden wohl niemals Flammen hochschlagen.
Bläst man aber kontinuierlich, in gleichbleibendem Rhythmus in die kleine Glut,
dann können irgendwann – meist plötzlich – die ersten Flammen auflodern.

So verhält es sich auch mit der Übung.
 

Hakuin Zenji, ein großer Zen-Meister des 17. Jahrhunderts, beschrieb es so:
 

„Das Studium des Zen ist, wie wenn man aus Holz Feuer schlägt.
Der weiseste Weg ist, direkt drauflos zu arbeiten, ohne innezuhalten.
Wenn du beim ersten Anzeichen von Hitze unterbrichst und dann wieder,
wenn das erste Strähnchen Rauch erscheint,
wirst du nie einen Funken sehen – auch wenn du jahrelang weiterarbeitest.“

 

Und weiter:
 

„Mein Heimatort liegt nahe dem Meeresufer, kaum hundert Schritte vom Strand entfernt.
Stell dir vor, ein Mann aus meinem Dorf ist bekümmert, weil er den Geschmack des Meerwassers nicht kennt,
und möchte hingehen, um es zu kosten.
Wenn er umkehrt, nachdem er nur wenige oder auch hundert Schritte getan hat –
wird er in einem dieser Fälle je den bitteren, salzigen Geschmack des Meeres kosten?
Aber wenn ein Mann – und käme er auch von so weit her wie den Koshu-Bergen –
geradeaus weitergeht, ohne stehen zu bleiben,
wird er innerhalb weniger Tage die Küste erreichen.
Und in dem Augenblick, wo er den Finger ins Meer taucht und ihn ableckt,
wird er schlagartig den Geschmack des Wassers der fernen und der nahen Meere,
der südlichen Strände und der nördlichen Ufer,
ja, alles Meerwasser der ganzen Welt kennen.“

 

Ich kann nur jedem empfehlen, mit dieser Haltung zu üben.
Meist ist die Motivation erst dann stark genug, wenn uns eine Lebenskrise ereilt –
und wir den existenziellen Fragen nicht mehr ausweichen können:

 

-Was ist diese Welt eigentlich – und was ihr Sinn?
-Wer bin ich – und was ist der Sinn meines Daseins?
-Wo war ich vor meiner Geburt?
-Wo werde ich sein nach meinem Tod?

 

Solange der Mensch noch mit dem „Spielen“ in der Welt beschäftigt ist –
Ruhm, materielle Wünsche, das Suchen nach Glück in weltlichen (vergänglichen) Dingen,
solange wird er herumtapsen und nicht genug Kraft aufbringen,
um den Rhythmus des „Feuermachens“ zu beginnen und zu halten.

 

Ramakrishna erzählte dazu einmal folgende provokante Geschichte:
 

„Kannst du für Gott weinen – mit intensivem Verlangen?
Die Menschen vergießen eimerweise Tränen für Kinder, Partner, Geld usw.,
doch wer weint für Gott?
Solange das Kind mit seinen Spielsachen beschäftigt ist,
befasst sich die Mutter mit Kochen und Haushaltsarbeit.
Wenn das Kind jedoch keine Lust mehr auf seine Spielsachen hat,
sie wegwirft und laut nach der Mutter weint,
kann sie nicht länger in der Küche bleiben.
Sie nimmt den Kochtopf vom Feuer und rennt schnell zum Kind, um es in die Arme zu nehmen.“

 

Was er damit ausdrücken wollte:

Eine gewisse Grundnot macht uns erst wirklich bereit – und gibt uns die Kraft für dauerhafte Übung.
Bis dahin ist „spirituelle Übung“ nichts anderes als Wellness.

 

Auch Meister Eckhart, ein christlicher Mystiker des Mittelalters, sagte:

„Das Leid ist die größte Triebfeder zu Gott.“

Und nochmal Hakuin:
 

„Für das Studium des Zen gibt es drei grundlegende Voraussetzungen:

Erstens: eine starke Wurzel des Vertrauens.
Zweitens: eine große Kugel des Zweifels.
Drittens: großen Mut.


Ein Mensch, dem eine dieser drei fehlt, ist wie ein dreibeiniger Kessel mit einem gebrochenen Bein.“

Was ist die Wurzel des Vertrauens?
Nichts Geringeres als das Vertrauen,
dass jeder Mensch die Buddha-Natur in sich trägt –
(jenes Prinzip, das im Buddhismus so benannt wird; Jesus sprach vom „Vater“ oder: „Das Himmelreich ist inwendig in euch.“) –
eine Natur, die erkannt werden kann.

 

Und dass es ein Grundprinzip gibt, das der Mensch vollkommen durchdringen kann. Den Urgrund im eigenen Inneren. 
Doch selbst aufrichtiges Vertrauen allein genügt nicht:
Wer den Koans nicht mit konzentriertem Zweifel begegnet, wird sie nicht durchdringen.

Und auch die Kugel des Zweifels muss letztlich vom Mut zerschmettert werden"
 

Doch muss es denn unbedingt Zazen sein?
Karlfried Graf Dürckheim sagte ganz klar: Nein!

 

  • Es kann der tägliche, ganz bewusste Waldspaziergang sein

  • Es kann das mantrische Singen oder Wiederholen eines heiligen Wortes sein

  • Es kann tägliches Zazen sein

  • Es kann das alte Jesus-Gebet in ständiger Wiederholung sein

  • Es kann achtsames Musikhören sein – Musik, die uns tief berührt

  • Es kann tägliches achtsames Handauflegen bei uns selbst oder bei anderen sein

  • Es kann eine wiederkehrende, einfache Arbeit sein

  • Es kann das ewige Malen gerader Striche auf weißem Papier sein

… und vieles mehr – aber:
 

Es muss einfach und es muss täglich sein! 
 

Und da sind wir wieder am Anfang:

Es muss einfach, wiederholbar und täglich sein.

Dann kann aus aufsteigendem Rauch ein Glimmen werden –
aus dem Glimmen eine Glut,
und aus der Glut Flammen, die emporschnellen.

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Texte und Zitate

In diesem Bereich teile ich kleine Texte und Zitate, die mich während meines Weges oft begleitet haben. 
Sie haben mir sehr geholfen, mich immer neu inspirieren zu lassen und waren mir auch wenn es schwer wurde gute und wichtige Begleiter.
Vielleicht fühlst Du Dich von dem einen oder anderen ebenfalls, vielleicht sogar ganz spontan angesprochn oder tief berührt. 
Man sagt, die Texte echter Meister sind zeitlos. Liest man sie mit offenem Herzen und vielleicht ohne den alles beurteilenden Verstand, etwas zwischen den Zeilen oder lässt sie einfach auf sich wirken, kann es einen "packen" und die Wahrheit die durch den Text spricht - spricht unsere eigene Wahrheit an und geht unmittelbar mit ihr in Resonanz. 
Ich habe das mehr als einmal sehr eindrücklich erfahren und so wünsche ich es dem Leser auch.

Euer Martin 

"Ich erinnere mich, dass mein Vater gerne mit mir in den Wald ging und mich das Schweigen des Waldes höhren lehrte. Und es war ein Sakrileg wenn ich auf einen Ast trat der krachte, das tat man nicht.

Also die Stille des Waldes war etwas, was von Kindesbeinen an, mir zu respektieren aufgegeben wurde.

Wenn sie die Stille des Waldes höhren und dann nochmal die Stille, die hinter dieser Stille ist, dann kann das Numinose sie anrühren... das Numinose...."
 

Karlfried Graf Duerkheim
 

Ein schönes Beispiel für das Erleben des Numinosen in der Natur.
Im Schweigen des Waldes — und noch tiefer, im Erleben der Stille hinter der Stille — kann uns das Numinosum ergreifen, wenn wir uns fern ab der Alltagsgedanken auf die Geräusche und die Stille dahinter einlassen....

"Das Erlebnis kann hauchzart sein, aber auch eine gewaltige Erschütterung. Immer hat es etwas Befreiendes, etwas Erlösendes. Immer öffnet es uns einen neuen Sinn, in den etwas Verpflichtendes eingeschlossen ist, ein Auftrag. Ein neues Gewissen wird geboren."

 

Karlfried Graf Dürckheim

„Bogenschießen, Fechten, Speerkampf, alle Kampfkünste, Teezeremonie, Blumenstecken … in all diesen Künsten helfen richtiges Atmen,

richtige Haltung und richtige Stille dabei, den Menschen neu zu formen.

Das grundlegende Ziel ist immer dasselbe:

Durch unermüdliches Üben einer bestimmten Fertigkeit legt der Schüler schließlich das Ego ab – mit all seinen Ängsten,

weltlichen Ambitionen und dem Festhalten an objektiver Kontrolle.

Er legt es so vollkommen ab, dass er zum Werkzeug einer tieferen Kraft wird,

aus der die Meisterschaft instinktiv hervorgeht, mühelos, wie eine reife Frucht, die vom Baum fällt.“

 

-Karlfried Graf Dürckheim-

"Es sind die kleinen Dinge,

die uns brauchen,

denn wir hauchen

alle Lebensringe in sie ein.

Drum ergreift sie,

meine Hände,

voller Liebe,

denn es ist,

als bliebe,

ohne euch am Ende

jedes Ding allein.”

Zen-Lehrer und Tiefenpsychologe

Karlfried Graf Dürkheim
Begleitete über 60 Jahre Menschen auf dem inneren Weg

Vivekananda, am 12. Januar 1863 in Kolkata geboren, war der Hauptjünger Sri Ramakrishnas.

In seiner Begierde zu wissen, ob Gott wahr sei, fand er seinen Weg zu Sri Ramakrishna. Er fragte geradewegs: “Herr, haben Sie Gott gesehen?”

Die Antwort war herausfordernd: “Ja, ich habe Gott gesehen wie ich dich sehe, nur viel deutlicher.” Nicht nur das, er fügte noch hinzu:
“Wenn du es versuchst, kannst auch du Ihn sehen.” Religion ist eine Wissenschaft – sie ist beweisbar und auf ihre Richtigkeit nachzuprüfen, wenn wir den Mut haben sie zu testen.
Nachdem er die Wahrheit dieser Aussage untersucht hatte, sagte Swami Vivekananda später: “Wer nicht an sich glaubt, ist ein Atheist.” Er ist weithin bekannt für seine berühmten Vorträge, die er 1893 im Parlament der Religionen in Chicago gehalten hat und für seine Lehren, die er in Ost und West erteilt hat. Er gründete offiziell den Ramakrishna-Orden für Mönche.

 

“Alle Kraft ist in euch. Ihr könnt alles und jedes tun. Glaubt daran, glaubt nicht, dass ihr schwach seid... erhebt euch, erwacht, schlaft nicht länger. In jedem von euch liegt die Kraft, alle Bedürfnisse und alles Elend zu beseitigen. Glaubt daran, dass sich diese Kraft manifestieren wird.”

Swami Vivekananda (1863 - 1902)

"Sitze hingabevoll in Zazen,

lasse alles Dinge los,

dann wirst Du weit ueber Verblendung und Erleuchtung hinausgehen und abseits der

Pfade des Gewoehnlichen und Heiligen,

wirst Du Dich augenblicklich frei bewegen koennen,

bereichert von grosser Weisheit.

Wenn Du dies tust, wie koennen dann Jene

die sich mit der Reuse und dem Jagdnetz von

Worten und Buchstaben abgeben mit Dir verglichen werden!? "
 

Dogen Zenji

Aufbrechen

Beflügelt von des Lebens Schwingen,

wandel’ ich im Grün dahin.

Wenn Vögel lieblich, zwitschernd singen,

weiß ich, dass ich zu Hause bin.

Zu Hause auf dem endlos Wege,

vorbei an Hell und Dunkel immerzu,

zu suchen, was im Innern sich bewege,

mit Geist und Körper im ew’gen Nu.

Und wenn die Pole ewig streiten,

voll Zuversicht ich vorwärts geh’,

so will ich finden, oft in tiefsten Weiten,

Stille, die im Lärme zeigt sich je.

Wie auf dem Zafu stillen Tone,

weit ab von dem, was uns gewohnt –

steigt’s auf bis in die hohe Krone

und zeigt, was wirklich in uns thront.

Nicht einfach, sich ganz loszulassen,

sehr selten – und auch ewig rar.

Du kannst das Geheimnis kaum erfassen,

doch manchmal ist es hell und klar.

Wie ein Stern, der ewig funkelnd

in klarer Weite gleißend war –

versteht der Kopf, ganz ohne Kopfe,

dass hinter Hell und Dunkel

das ganze andre Lichte sich gebar.

Ein Übender,

Schönenbuch, 27.05.25

Normalerweise träumen wir, wir sind in unseren Gedanken in der Vergangenheit und in der Zukunft. Wie in einem Schlafwagen mit heruntergezogenen Jalousien fahren wir durch das Leben.
Aufwachen, die Jalousien hochziehen und das Leben in seinem wahren Sein bewusst zu erfahren – das lehrt Zen.
Zazen, das Sitzen in der Stille, ist die zentrale Übung des Zen. Dieses bewegungslose Sitzen verleiht uns Kraft, das Leben mit seinen Gegensätzen anzunehmen, sodass es sich nicht widerspricht und wir ihm zustimmen können.
Wir halten still, werden ruhig und nehmen wahr. Wahrnehmen, sich des Seins bewusst und gewahr werden, beschreibt Zen mit den Worten: die Dinge mit dem Herzgeist betrachten.

 

Doris Zölls
Zen-Meisterin der Linie "Leere Wolke"

Bendowa


Das Zazen auch nur eines einzigen Menschen
in einem einzigen Augenblick
stellt unsichtbare Harmonie mit allen Dingen her
und hallt wider durch alle Zeit.
So trägt dieses Zazen die Wahrheit
in Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart
dieses grenzenlosen Universums endlos weiter.
Jeder Augenblick Zazen ist gleichermaßen
Ganzheit der Übung,
Ganzheit der Verwirklichung.
Dies ist nicht nur Üben im Sitzen,
sondern ein Hammer, der die Leere anschlägt –
vorher und nachher klingt sein feiner Klang überall hin.
Wie kann es auf diesen Augenblick beschränkt sein …
Sitze hingabevoll in Zazen,
lass alle Dinge los.
Dann wirst du über die Grenzen von Verblendung
und Erleuchtung hinausgehen,
und abseits der Pfade des Gewöhnlichen und Heiligen
wirst du dich augenblicklich frei bewegen können,
außerhalb des gewöhnlichen Denkens,
bereichert von großer Weisheit.
Wenn du dies tust, wie können dann jene, die sich mit der Fischreuse
oder dem Jagdnetz der Worte und Buchstaben abgeben,
mit dir verglichen werden!

Dogen Zenji 1200 - 1253

Es gibt eine Wirklichkeit, die vor Himmel und Erde steht.

Sie hat keine Form, geschweige denn einen Namen.

Augen können sie nicht sehen.

Lautlos ist sie, nicht wahrnehmbar für Ohren.

Sie Geist oder Buddha zu nennen, entspricht nicht ihrer Natur,

wie das Trugbild einer Blume wäre sie dann.

Nicht Geist noch Buddha ist sie;

vollkommen ruhig erleuchtet sie in wunderbarer Weise.

Nur dem klaren Auge ist sie wahrnehmbar.

Das Dharma ist sie und wirklich jenseits von Form und Klang.

Das Tao ist sie, und Worte haben nichts mit ihr zu tun.

In der Absicht, Blinde anzuziehen,

ließ Buddha seinem goldenen Munde

spielerische Worte entspringen;

seitdem sind Himmel und Erde überwuchert

mit dichtem Dornengebüsch.

0 meine lieben und ehrenwerten Freunde,

die ihr hier versammelt seid:

Wenn ihr euch danach sehnt, die donnernde Stimme

des Dharma zu hören,

gebt eure Worte auf, entleert eure Gedanken,

dann kommt ihr so weit, das eine Sein zu erkennen."
 

Daio Kokushi, um 1300 n. Chr

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