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Initiation Teil-2 Der Ruf

"Die Türe zum inneren Geheimnis öffen"


Viele Menschen kennen dieses Gefühl.

Sie wachen morgens auf, gehen ihrem Alltag nach, erledigen, was zu erledigen ist – und spüren trotzdem: Da fehlt etwas.


Nicht laut. Nicht dramatisch. Eher wie ein leiser Zug von innen.

Es ist keine Unzufriedenheit im üblichen Sinn. Oft stimmt sogar vieles im Leben. Arbeit. Struktur. Beziehung. Und doch bleibt eine Spannung. Eine Unruhe. Ein inneres Fragen ohne Worte. Etwas reibt sich im Inneren, obwohl augenscheinlich alles gut ist.


Der Mensch ist nicht nur dafür gemacht, zu funktionieren. Er ist dafür gemacht, zu erfahren.

Es gibt im Menschen einen inneren Drang, der ihn dazu drängt, über das angepasste Ich hinauszuwachsen und zu dem zu werden, was er im Innersten ist. Carl Gustav Jung hätte darin den Ruf des Individuationsprozesses erkannt – eine Bewegung der Seele, die Ganzheit sucht. In den alten Mythen erscheint dieselbe Bewegung als Heldenreise, wie sie später von Joseph Campbell beschrieben wurde.

Dieser Ruf meldet sich nicht als Gedanke. Er meldet sich im Körper. Als Spannung. Als Unruhe. Als Sehnsucht. Als Hunger nach etwas Echtem. Viele Menschen wissen nicht, was sie da suchen. Aber sie suchen es trotzdem.

Nicht aus Leichtsinn. Nicht aus Mangel an Disziplin. Sondern weil etwas in ihnen gelebt werden will.

Grenzerfahrungen, starke Erlebnisse, Rausch, Stille oder Ekstase sind aus dieser Sicht keine Fehler. Sie sind Versuche der Seele, mit sich selbst in Kontakt zu kommen. In früheren Kulturen wusste man darum. Man führte Menschen bewusst an Schwellen heran. Nicht, um sie zu brechen, sondern um sie zu wandeln. Man ließ sie nicht allein. Man hielt den Raum. Man wusste: Diese Kräfte brauchen Führung.

In der westlichen Industriegesellschaft ist dieses Wissen weitgehend verloren gegangen.

Geblieben ist der Ruf.

Verloren gegangen sind der Rahmen

und das leibhaftige Erleben.

So bleibt der Mensch heute oft zurück mit einer inneren Notwendigkeit, für die es keinen Ort gibt. Keine Sprache. Keine Bilder. Manche versuchen, sich beim Grölen im Fußballstadion, im Selbsttest mit Drogen, in Schlägereien, Extremsport oder Arbeitssucht davon zu erleichtern oder zu befreien. Oft geht es dabei um Zugehörigkeit, um Bedeutung, um Selbstbilder. Doch wirklich in die eigene Tiefe führen diese Wege selten. Vieles davon wirkt langfristig eher schädlich, etwas Wesentliches bleibt auf der Strecke.

Nicht, weil das grundsätzlich falsch wäre. Sondern weil es unbewusst geschieht. Nicht wissend, was alte Kulturen und indigene Gesellschaften über die Ganzheit des Menschen wussten – und darüber, dass diese inneren Kräfte Räume brauchen, um nicht zu entgleisen, sondern zu reifen.

Genau aus diesem Verständnis heraus schreibe ich diese Texte.

Und genau aus diesem Verständnis heraus ist Tiefenerdung entstanden.


Ich möchte einen Raum anbieten, wie es ihn in unserer Gesellschaft nur noch selten gibt: seriös, klar gehalten, ohne Überhöhung. Einen Raum für Selbsterfahrung, für Entwicklung – persönlich, aber auch existenziell. Nicht, um Menschen zu verändern, sondern um ihnen zu ermöglichen, sich selbst zu begegnen. Leibhaftig. Im eigenen Tempo.

Aus meiner eigenen Geschichte, aus meinen eigenen Erkenntnissen und Erfahrungen heraus freue ich mich darauf, in den kommenden Jahren Menschen zu begleiten, die diesen inneren Ruf nicht länger übergehen wollen.

Menschen, die ihn verstehen, begreifen und vor allem erleben möchten – auf ihrem eigenen Weg hin zu ihrer Ganzheit.


Themen dieses Beitrags:


Selbsterfahrung · Initiation · Individuation · Wegbegleitung · Menschliche Reife

 
 
 

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