Initiation Teil-5 Nachklang
- connecbassier
- 11. März
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen

Nachklang – warum wir dem Ruf oft nicht folgen
(Ein Text eines Übersetzers zwischen zwei Welten)
Diese mehrteilige Reihe kreiste um den inneren Ruf des Menschen.
Um Schwellen, Initiation, Grenzerfahrung – und um das, was tiefenpsychologisch geschieht, wenn diese Erfahrungen fehlen, entgleisen oder keinen Rahmen finden.
Es ging um das, was im Menschen nach Tiefe sucht.
Um etwas Archaisches, Unverfügbares, das sich nicht planen lässt –
und dennoch zum Menschsein gehört.
Der folgende Text steht in diesem Zusammenhang.
Er ist kein theoretischer Kommentar.
Er ist ein Spiegel.
Ein Blick auf unsere Gesellschaft –
und auf das, was wir oft verraten, obwohl wir es insgeheim kennen.
Ich weiß, dass nicht jeder diesem inneren Ruf folgen kann.
Viele tragen Verantwortung, Verpflichtungen, Rollen.
Nicht jeder Ruf will sofort gelebt werden.
Manchmal reicht es, ihm ersteinmal kurz zuzuhören.
Manche Menschen hängen sehr an Sicherheit.
Sie fürchten, was sich verändert – das Unbekannte, das Unsichere, das Offene.
Und weil das so ist, haben wir als Gesellschaft eine Menge Regeln erfunden,
wie man zu sein hat, wenn man „dazugehört“.
Wer aus der Reihe tanzt, wer keinen festen Platz hat,
wird schnell abgestempelt: als komisch, gefährlich, falsch.
Und weil kaum einer ganz ausbrechen will,
passen sich viele lieber an.
Tun so, als wären sie treu, angepasst, solidarisch.
Doch oft ist das nur Fassade.
Prof. Dr. Maaz nennt es "Normopathie".
Tief drinnen träumen viele von etwas anderem.
In der Nacht – wenn keiner zuschaut –
fliegen wir im Traum davon.
Und auch in unseren Geschichten, Liedern, Filmen und Büchern
feiern wir genau die, die anders sind:
die, die ausbrechen.
die, die sich nicht fügen.
die, die wir tagsüber ablehnen – aber heimlich bewundern.
So wie es mir selbst einmal in jungen Jahren als Wandergeselle vor dem Kölner Dom erging.
Drei Manager im Anzug riefen mich im Vorbeigehen – wohl zu ihrer Belustigung – zunächst von oben herab an ihren Tisch.
Doch während ich von den Abenteuern der Wanderschaft erzählte, von dem Unterwegssein, von der Freiheit und Ungebundenheit dieses Lebens, veränderte sich etwas.
Ihre Augen wurden größer.
Ihre Kommentare weniger.
Ihre Blicke ernster – fast traurig.
Am Ende verabschiedeten sie mich verdutzt und wortlos.
Das kann ein Bild sein, für alle anderen Freigeister die das gesellschaftlich verkörpern.
Den Landstreicher.
Der Wandergeselle.
Den Rebell.
Den Ausreißer.
Den Sünder.
Den Pirat.
Die, die nicht dazugehören –
aber frei sind.
Wenn wir nicht etwas von ihnen in uns hätten,
würden wir sie nicht immer und immer wieder erfinden.
In jeder Zeit.
An jedem Ort.
In jeder Sprache.
In jeder Geschichte.
In jedem Kinofilm.... "




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